durch ein Vetorecht der nationalen Parlamente im Falle einer Ausweitung des Mehrstimmigkeitsprinzips auf neue Sachbereiche
Wo steht das?
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durch ein Vetorecht der nationalen Parlamente im Falle einer Ausweitung des Mehrstimmigkeitsprinzips auf neue Sachbereiche
n-tv.de schrieb:(Quelle)
Nach dem Nein der Iren zum EU-Reformvertrag von Lissabon hat der amtierende EU-Ratspräsident, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, erstmals offen ein zweites Referendum gefordert. "Die Iren werden erneut abstimmen müssen", zitierte "Le Figaro" Sarkozy während eines Treffens mit Abgeordneten seiner Regierungspartei UMP im Élysée. "Ich werde jede EU-Erweiterung mit einem Veto belegen, solange die (europäischen) Institutionen nicht reformiert sind", fügte Sarkozy dem Blatt zufolge hinzu.
sturme schrieb:Was mir persönlich auffällt:
Immer, wenn es negative Nachrichten gibt, ist von der "EU-Elite" oder "EU-Plänen" die Rede.
Ansonsten wären es ganz einfach die Linie des französischen Präsidenten oder der dt. Kanzlerin usw...
Das war erstens kein Einzelfall, zu dem Thema gab es nämlich auch Umfragen, zweitens war das sogar das Motto der Kampagne der EU-Gegner: "don't know? vote no!". Das Spielen mit dem Nicht-Wissen der Wähler war ein voller Erfolg für diese Kampagne. Ein weiteres Argument war auch jenes, bei einer Ablehnung des Vertrags wieder mehr Vorteile für die Iren herauszuschlagen wie das schon beim Vertrag von Nizza der Fall war ("we can do better!"). Dass diese Botschaft ankommen konnte zeigt, wie wenig die Menschen über den mühseligen 8 Jahre dauernden Verhandlungs- und späteren Ratifikationsprozess bescheid wussten, denn ein Aufschnüren des Vertagskompromisses für die Vorteile eines einzelnen Mitgliedsstaats kommt einem Todesstoß gleich. Man fürchtete auch seinen eigenen EU-Kommissar zu verlieren, obwohl hier eine Reform wirklich Not tut - die EU-Kommission ist nicht die Vertretung der Mitgliedsstaaten sondern der Rat, und jene der Bürger das Parlament, das mit dem Reformvertrag nicht zuletzt massiv aufgewertet würde. Die EU-Kommission sollte die besten Köpfe beschäftigen und nicht fixe 27 Posten irgendwie mit Leuten austarieren, die von ihren Mitgliedsstaaten ohne Wissen um ihr tatsächliches späteres Aufgabengebiet zum Kommissionspräsidenten geschickt werden.Demokrator schrieb:Wer glaubt, die Iren haben ohne zu wissen für "nein" votiert, der verkennt die Realität und nimmt immer noch nicht das deutliche "nein" als gegeben auf, sturme. Natürlich wirst du in Irland finden, der dir ins Mikro spricht, er habe nicht gewusst, was da drin steht und darum mit "nein" gestimmt. Aber du willst doch jetzt nicht von einem Einzelfall auf die Allgemeinheit schließen, oder? Das wäre zu einfach.
sturme hat recht, es gab vor einiger zeit eine doku auf phoenix zum scheitern des reformvertrages in irland. viele die mit nein gestimmt haben, fühlten sich nicht genug aufgeklärt bzw die regierung hat es versäumt die menschen in verständlichen worten darüber aufzuklären.Demokrator schrieb:Warum kommt sich nicht auf den Gedanken hier zu Lande ein Referendum (was das demokratischste überhaupt ist) abhalten zu lassen. Die Beteiligung wäre bestimmt enorm.
Das ist die Brückenklausel oder auch Passerele-Regelung:Howard_ schrieb:Wo steht das?
„(1) In Fällen, in denen der Rat nach Maßgabe des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union oder des Titels V dieses Vertrags in einem Bereich oder in einem bestimmten Fall einstimmig beschließt, kann der Europäische Rat einen Beschluss erlassen, wonach der Rat in diesem Bereich oder in diesem Fall mit qualifizierter Mehrheit beschließen kann. Dieser Unterabsatz gilt nicht für Beschlüsse mit militärischen oder verteidigungspolitischen Bezügen. (2) In Fällen, in denen nach Maßgabe des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union Gesetzgebungsakte vom Rat gemäß einem besonderen Gesetzgebungsverfahren erlassen werden müssen, kann der Europäische Rat einen Beschluss erlassen, wonach die Gesetzgebungsakte gemäß dem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren erlassen werden können. (3) Jede vom Europäischen Rat auf der Grundlage von Unterabsatz 1 oder Unterabsatz 2 ergriffene Initiative wird den nationalen Parlamenten übermittelt. Wird dieser Vorschlag innerhalb von sechs Monaten nach der Übermittlung von einem nationalen Parlament abgelehnt, so wird der Beschluss nach Unterabsatz 1 oder Unterabsatz 2 nicht erlassen. Wird die Initiative nicht abgelehnt, so kann der Europäische Rat den Beschluss erlassen. (4) Der Europäische Rat erlässt die Beschlüsse nach den Unterabsätzen 1 oder 2 einstimmig nach Zustimmung des Europäischen Parlaments, das mit der Mehrheit seiner Mitglieder beschließt.“
Zunächst einmal sollte man klarstellen, wieviele da überhaupt mit nein gestimmt haben: 862,415 sind nicht die Hälfte der Iren, schon garnicht bei nur 53.1% Wahlbeteiligung. Wie so ein Votum zustande kommt ist relativ einfach: Mit diesem Vertrag, der zum Großteil seiner Symbole (die ja von vielen Nationalisten nicht gewünscht werden) beraubt wurde und eigentlich großteils trockene administrative Änderungen bringt lockt man relativ wenige glühende Europäer aus ihren Häusern, aber mit Populismus und negativer Stimmungsmache konnten die Gegner mobilisieren. Ich möchte gewiss nicht alle die dort mit "Nein" gestimmt haben als dumm abstempeln, aber der Anteil derer die das aus (informierter) Überzeugung getan haben erreicht mit Sicherheit keine Mehrheit von 53,4%. Wie du selbst schon sagtest war es eine knappe Wahl, und selbst wenn nur wenige dem Ruf von "don't know - vote no" gefolgt wären wie du glaubst, hat das in diesem Fall den Ausschlag gegeben.Demokrator schrieb:Du willst mir jetzt doch durch ein paar "billige" Umfragen nicht weiß machen, dass die Iren eine Amokwahl fabriziert haben. Leider finde ich die Zahlen grad nicht, aber die Wahl war ziemlich knapp. Sind jetzt die Hälfte der Iren informiert und die andere nicht? Wenn man aus persönlichen Gründen mit "Nein" stimmt, dann ist mein ein Nichtswisser?
Wie diese Sanktionen zustande gekommen sind, darüber gibt es viele Spekulationen (auch solche dass es innerösterreichische Betreiber gab). Das war natürlich schrecklich, hat aber rein garnichts mit der Ausweitung von Mehrheitsentscheidungen zu tun. Die Sanktionen hatten mit der EU selbst nichts zu tun sondern waren eine Kampagne einzelner Regierungschefs.Demokrator schrieb:PS: weißt du noch, als Schüssel mit der FPÖ in Österreich eine Regierung gebildet hat? War das denn sehr demokratisch von der EU den Willen der österreichischen Wähler damals so nieder zu machen. Klar waren Proteste angesagt, aber man muss die Kirche im Dorf lassen.
sturme schrieb:Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Verfassungsvertrag, und mit der Einbindung der nationalen Parlamente in dieser Frage ist gesichert, dass sich kein Automatismus in Richtung Mehrheitsentscheidungen entwickelt.
sturme schrieb:Wie diese Sanktionen zustande gekommen sind, darüber gibt es viele Spekulationen (auch solche dass es innerösterreichische Betreiber gab). Das war natürlich schrecklich, hat aber rein garnichts mit der Ausweitung von Mehrheitsentscheidungen zu tun. Die Sanktionen hatten mit der EU selbst nichts zu tun sondern waren eine Kampagne einzelner Regierungschefs.
Das ist völlig aus der Luft gegriffen. Alle 27 Mitgliedsstaaten haben an diesem Vertrag mitverhandelt, die tatsächliche Arbeit haben natürlich unzählige supranationale Beamte erledigt. Und die Kompromisse die die Mehrheitsentscheidung betreffen sind durchaus sehr gut für die kleinen Mitgliedsstaaten. Daran wurde genug herumgezerrt, von allen Seiten. Zu sagen, dies wäre ein Projekt der großen mächtigen MSTs, ist einfach nur falsch.Demokrator schrieb:Viele kleine Staaten und vor allem neue EU-Staaten wollen jetzt nicht negativ auffallen und segnen ihn ab, weil Druck von den einigen Regierungschefs kommt. Somit wird in Zukunft alles durchgejagt werden.
Wie schon gesagt: Verbündete suchen, für die eigene Position Lobbying bei den anderen Mitgliedsstaaten betreiben, schon hat man 3 andere Staaten beisammen, mit denen man so etwas blockieren kann. Gerade bei dem Beispiel das du bringst, würde es gewiss nicht schwer fallen solche zu finden, letztendlich sind die Interessen der Mitgliedsstaaten nicht mehr soweit auseinander und wachsen immer weiter zusammen. Das ist ganz normale Politik wie sie auch auf nationaler Ebene praktiziert wird, nur EU-weit kann es sich wie in der Vergangenheit etwa Polen leisten, ganz ungeniert einen Eiertanz um jegliche Entscheidung mit Veto-Recht aufzuführen. Das muss ganz einfach aufhören - absolute Standpunkte, die gemeinschaftlich nicht auf geringstes Interesse stoßen und oft nicht einmal mit dem blockierten Thema selbst zu tun haben sondern nur ein Druckmittel für einen anderen Bereich sind, lähmen die EU.Demokrator schrieb:Wenn dich das Erlebt nicht juckt, dann warte mal ab, wenn Regelungen in Österreich zur Landwirtschaft umgesetzt werden müssen, die jetzt auf keinen Fall durchgingen, aber Dank der Mehrheitsentscheidung dann kommen werden. Tierfutter 3. Klasse erlauben -> folge: BSE (das ist jetzt nur ein Beispiel).
Dann sprechen wir uns noch mal![]()
Artikel 79 Absatz 3 GG schrieb:Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.
Artikel 146 GG schrieb:Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/EwigkeitsklauselViele Verfassungsrechtler nehmen allerdings an, Artikel 146 sei in der alten Fassung mit der Deutschen Wiedervereinigung außer Kraft getreten, und die neue Fassung sei unwirksam, soweit sie Änderungen betreffe, die nach Artikel 79 Abs. 3 unzulässig sind.
Demokrator schrieb:Und das Parlamente nicht immer die Meinung der Bürger widerspiegeln ist nicht seit heute bekannt. Man wählt eine Partei, da hast du recht. Aber mit sehr vielen Vorhaben ist man als Wähler dann doch nicht zufrieden. Oder geht es dir mit deiner Partei anders. Und wenn dann so entscheidende Verträge für die EU abgesegnet werden sollen, dann wäre es sehr wohl ratsam das ok von der Basis zu bekommen. Und nicht von Volksvertretern, die zur hälfte schon vergessen hat, dass sie dem Bürger und nicht ihrer Tasche dienen sollen.