Also die Region hat sicher auch damit zu tun, viele Leute suchen sich quasi den "Heimatverein" aus und sind Fan von diesem. Aber das ist nur ein möglicher Grund, da gibt es noch viele mehr wie z.B. die Familie oder auch so einfach aufbauen von Sympathien, wenn man den Sport ein wenig länger als neutraler Fan beobachtet. Ich komme selbst z.B. weder aus dem Pott oder dem Mittleren Westen und bin Fan von S04 und den Green Bay Packers. Das muss nicht unbedingt was mit Erfolg zu tun haben (letzte Meisterschaften: 1958 bzw. 2010).
Dass es aber Erfolgsfans gibt kann man imho nicht abstreiten. In der Gegend, in der ich wohne hat man bis zu den beiden Meisterschaften des BVB 10 und 11 kaum Dortmunder gesehen. Mittlerweile sieht man immer wieder Accessoires des BVB, sei es Trikot, Pulli, sonstiges. Den obligatorischen Aufkleber des Vereinswappens natürlich inklusive, da sieht man mittlerweile fast auf jedem 20. Auto einen BVB Sticker. Vorher hat man die eigentlich nie gesehen. Außerdem hat sich der Versand von BVB Merchandising in diese Region seit dem Erfolg signifikant erhöht (Postmitarbeiter im Bekanntenkreis). Erfolg ist ein Faktor, dagegen ist prinzipiell erst mal nichts einzuwenden.
Dann gibt es aber das große Aber, was mir v.a. auch bei der N11 sauer aufstößt. Wenn man sich dann von Fußball-Fan zu Fußball-Fan mit einem waschechten Erfolgsfan unterhält und man merkt, dass dieser einfach keinen Plan von diesem Sport, seinem Verein, etc. hat, dann bekommt man da fix das Gefühl, dass die Person gegenüber Fan von diesem Verein ist, da das gerade "cool" ist. Klar soll jeder machen, was man möchte, aber ich mag es einfach nicht, wenn sich Leute als die größten Fans von XY hinstellen und offensichtlich keinen Plan von irgendwas haben. Paradebeispiel für mich einfach die N11. Bei "normalen" Länderspielen ist wenig Trubel, Fußballfans sehen sich das Spiel an, wenn sie die N11 interessiert (mich z.B. nicht), andere lassen es bleiben. Aber lass es mal WM oder EM sein, da ist jeder Hinz und Kunz der größte Fußball-Fan, überall hängen Fahnen und jeder hat ein Trikot. Das ist dann ein Hype und keine Fankultur mehr und sowas mag ich persönlich nicht, sorry.
Und dieses Phänomen trifft man oft an. Die obligatotischen Bayernfans gibt es überall, mittlerweile auch groß den BVB, auch gibt es Leute hierzulande die sich für die größten Real oder Barca Fans halten. Nochmal, ich will hier niemanden prinzipiell verurteilen. Wenn jemand erst spät zu einem Sport kam und dann Verein XY sympathisch fand und sich dann mit diesem beschäftigt gern. Aber "Fan" sein, weil es gerade cool ist, da der Verein erfolgreich ist aber eigentlich keine Ahnung davon haben, finde ich eben lächerlich.
Nochmal kurz zu Schalke (ohne geht nicht
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):
Mir geht das Gehabe der Medien hier gerade absolut auf den Sack. Mal abgesehen von Hottes fragwürdigen Auftritt gestern bei der Saufrunde (aka der "Doppelspaß"
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) bei Sport1.
Die Medien waren ganz groß mit vorne dabei, wenn es darum ging an Keller zu sägen. Ob der Jugendtrainer der Richtige sei für S04, nach vier Punkten aus zwei Spielen, war er auch mal "Das Gesicht der Krise", etc.. In den Medien stand er doch unter Dauerbeschuss. Wenn die Mannschaft mal geliefert hat wurde sofort gefordert "Rentenvertrag für Keller", etc.. Fragwürdige Berichterstattung. Jetzt hat S04 (imho auch richtigerweise) die Reißleine gezogen und jeder kritisiert uns dafür. Plötzlich war Keller die arme Sau, die nie eine Chance auf Schalke hatte und das Opfer des Größenwahns ist obwohl er die Ziele erfüllt hätte. Keine Spur mehr vom "Gesicht der Krise" oder der auch in den Medien angeprangerten fehlenden Entwicklung der Mannschaft.
Dann die Verpflichtung von di Matteo. Im Angesicht der Kritik Keller hatte ja nie eine Chance bekommen, steht di Matteo noch vor seinem ersten Ligaspiel als S04-Trainer in den Medien unter kritischer Beobachtung. Er hat als Trainer nie etwas erreicht, er spielt unattraktiven Mauerfußball, etc.. Den Mann will man nicht mal arbeiten lassen oder wie? Dazu unattrkativer Mauerfußball mag ja evtl ab und an stimmen, dass er auch anders kann? Verschwiegen. Man bezieht sich überwiegend auf das CL Halbfinale und Finale 12. Ja meine Fresse, soll er da gegen das damals übermächtige Barca Hurrafußball nach vorn spielen und so der starken Offensive Tür und Tor öffnen? Aber mit seiner Mauertaktik hat er den Pep ausgeschaltet, was den deutschen Medien wohl gar nicht schmeckt. Dann im "Finale dahoam" hat er sich tatsächlich erdreistet in einem Endspiel(!) auswärts(!!!) gegen einen stärkeren Gegner nicht blind nach vorn zu stürmen und mit Glück (ja war auch dabei stimmt, aber nicht nur) den Pokal zu gewinnen. Das kommt ja offensichtlich Frevel gleich. Spricht man bei anderen Trainern hier nicht oftmals von taktischem Geschick oder so? Ein Sieg im FA-Cup, der Aufstieg mit West Brom, etc. sowas ist offensichtlich auch kein Erfolg.
Das mag alles ein wenig drastisch klingen und auch ich bin der Meinung, dass man jetzt mal sehen muss, was di Matteo auf Schalke bewirkt, aber dass ein Trainer unter Beschuss steht noch vor seinem ersten Spiel und Erfolge, die er errungen hat so heruntergemacht werden, weil sie der Medienlandschaft nicht schmecken, das ist wirklich allerhand. Irgendwann heißt es wieder, dass S04 nie zur Ruhe kommt und ja wir sind z.T. wirklich der FC Hollywood, aber die Berichterstattung über den Verein ist meinen Augen zu einem großen Teil eine absolute Frechheit.