Bioshock - meine Eindrücke
Ich habe gerade Bioshock beendet. Da ich mir in Spielen gerne alles ansehe, schätze ich meine Spielzeit auf ca. 20 Stunden, was schonmal besser ist, als die 12 Stunden oder weniger, von denen ich gehört hatte. Wäre z.B. das Spiel zuende gewesen, nachdem man Ryan gefunden hat, wäre ich massiv enttäuscht gewesen. Danach steigert sich die Atmosphäre aber nochmal, und dass das Spiel so zwei große Spannungsbögen hat, ist schon eine coole Sache.
Allerdings reicht das alleine noch nicht, um ein Spiel wirklich zu etwas besonderem zu machen. Auch nach dem finalen Ende, muss ich sagen, es bleibt etwas Enttäuschung haften, die auch schon im ganzen Spielverlauf spürbar war. Dabei ist garnicht so sehr irgendetwas am Spiel selbst das Problem, sondern Bioshocks Problem ist imo die extrem hohe Erwartungshaltung meinerseits, ausgelöst durch den Riesenhype vor der Veröffentlichung. Ich hatte ganz schlicht den besten und intelligentesten Shooter aller Zeiten erwartet, eigentlich sogar mehr sowas wie ein Action-Adventure mit starken Shootereinflüssen. Das ist Bioshock aber nicht, dafür ist es mir nicht abwechslungsreich genug. Ich hatte nie irgendwelche Aha-Momente (außer vllt. ein bißchen beim Retten der LittleSisters).
Die angekündigten moralisch bedeutsamen Entscheidungen und überhaupt die ganze Sache mit der Moral und Entscheidungsfreiheit ist bei weitem nicht so bedeutend im Spielverlauf, wie ich vorher den Eindruck hatte. Obwohl der tatsächlich zurückgelegte Weg im Spiel nicht linear ist, ist der Handlungsablauf geradlinig wie bei jedem normalen FPS. Es besteht z.B. nie eine echte Notwendigkeit, wirklich im Spiel zurückzugehen, man könnte Level um Level einfach durchrushen. Und obwohl wie gesagt der Weg keine Linie ist und die jeweiligen Levels frei begehbar, ist doch der Anteil von relativ kleinen Gängen, in denen man sich aufhält, sowie von immer gleichen Gegnern, hoch genug, um Bioshock oft wie einen ganz gewönlichen Korridor-Shooter wirken zu lassen.
Die Gegner sind auch einfach nur Gegner, die die Gänge bevölkern, um dem Spiel einen Schwierigkeitsgrad zu geben; dass sie eigtl. die alten Bewohner sein sollen, spürt man nicht so.
Überhaupt ist mein persönlich größtes Manko, dass die Atmosphäre einer unterseeischen Stadt bei mir nicht so recht ankommt. Ich spüre den ganzen Hintergrund einfach nicht so richtig beim Spielen, z.B. dass Rapture mit den engen Gängen, den niedrigen Decken und kleinen Plätzen wirklich einmal als offene Stadt für werweiß wieviele Menschen gedacht war. Vor allem, wenn beim Blick aus dem Fenster das Ganze wie N.Y. unter Wasser aussieht. Beim Herumlaufen wirkt Rapture eher wie eine zusammenhängende, unterirdische Anlage; auch nach Tauchkugelfahrten fühlte ich mich nicht besonders weit vom vorigen Ort entfernt. Dass in einer Stadt überall Munitionsautomaten herumstehen und alle erwerblichen Spezialfähigkeiten praktisch nur dem Kampf dienen, ist natürlich spielnotwendig, aber vor dem Hintergrund dann leider auch nicht atmo-fördernd.
Die erhoffte Handlungsfreiheit beschränkt sich zu 99% darauf, wie man die Gegner ins Jenseits befördern möchte. Man kann zwar mal mit einer Spezialfähigkeit eine Tür öffnen oder eine Maschine etwas beeinflussen, aber wirklich bedeutende Auswirkungen hat das nicht.
Beim Durchlesen merke ich gerade, dass sich das alles schlechter anhört, als gedacht, bzw. so, als ob Bioshock ein schlechtes Spiel wäre. Ein schlechtes Spiel ist es sicher nicht, allein schon, weil es technisch gut ist. Und wenn es etwas weniger gehypt worden wäre, würde ich auch garnicht so darüber nachdenken. Bioshock steht imo mit an der Spitze der ganz normalen FPS und ist vllt. auch ein ganz klein bißchen mehr, muss sich aber für mich z.B. dem älteren HL2 oder auch Stalker geschlagen geben, da diese auf mich intelligenter und epischer wirkten.
Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, muss ich auch zugeben, ich hätte mir Bioshock lieber ausgeliehen als gekauft (falls es in den Verleih kommen sollte und die Online-Aktivierung wie angekündigt wegfällt), weil ich nicht das Gefühl habe, es unbedingt besitzen und nochmal ganz durchzuspielen zu müssen. Einmal sollte man es aber gespielt haben.
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