Mopedbilder mit schönem Hintergrund sind ja hier gerade angesagt
Ich bin gestern von einer achttägigen Alpentour mit zwei Kollegen heimgekommen. Anreise war anders als ursprünglich mal geplant nicht mit Auto und Hänger, sondern mangels Auto mit Anhängerkupplung auf eigener Achse. Erster Tag war entsprechend vom Rheinland bis nach Memmingen (südlich von Ulm, wem das nichts sagt) fast komplett Autobahn bei Scheißwetter. Zu meiner Überraschung habe ich festgestellt, dass die V-Strom jenseits von 130-140km/h wie ein Loch säuft.
Danach ging es dann bis zur Grenze immer noch nass, aber entspannter weiter nach Tirol bzw. Südtirol. Am Brenner der ganz normale Wahnsinn, da war ich froh ein schmales Gefährt zu haben, sonst hätten wir da vermutlich Stunden verloren. In Form des Penser Jochs haben wir den ersten Pass erklommen und bei Bozen gezeltet.
Am dritten Tag sind wir unter anderem die Sellarunde gefahren, auch hier leider teilweise bei Regen. War aber eine schöne Strecke, mache ich bei Gelegenheit sicher nochmal im Trockenen. Weiter ging es in Richtung Osten durch Norditalien, teilweise sind wir den TET gefahren. Wir haben Bauklötze gestaunt als uns da auf einmal (glücklicherweise zumindest auf einem asphaltierten Stück) ein LKW entgegen kam, sodass wir bergab zurückrollen mussten. Abends auf dem Campingplatz ist der letzte Regen für den Rest der Tour über uns drüber gezogen.
Weiter ging es in Richtung Slowenien, aber nicht ohne eine weitere Offroad-Passage. Und die hat mir buchstäblich die Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Der Weg wurde immer schlechter und schwieriger, in einer Bergaufserpentine hat sich die Tiger vom Foto (welches noch davor auf dem Monte Zoncolan entstanden ist) das erste Mal lang gemacht. Nach der Rettungsaktion wollten wir weiter, nach zwei Metern lag die Tiger aber auch schon auf der anderen Seite. Dabei ist der Kupplungshebel an der Sollbruchstelle abgebrochen und etwas Sprit am Tankeinfüllstutzen ausgetreten, sodass das Obst im Tankrucksack ungenießbar wurde. Der Kollege mit der KTM ist abseits befestigter Straßen deutlich erfahrener und ist dann erstmal allein den Berg weiter raufgefahren zum Erkunden des Weges. Er kam dann irgendwann zurück und meinte das gibt keinen mehr, es wurde hinter den nächsten beiden Kurven nochmal deutlich anspruchsvoller. Wollte er selber mit den Straßenreifen dann auch eher nicht fahren und wir anderen zwei dann schon mal gar nicht. Also erst noch ein paar Meter nach oben, wenden und den Weg bergab wieder zurück. Weil es so schön war, habe ich in der Kurve von Sturz Nr. 1 der Tiger auch nochmal die Schräglagenfreiheit bis 90° ausgetestet. Vorne zu früh gebremst, Vorderrad eingeklappt. Kaputt gegangen ist aber nichts. Wir sind an dem Tag noch nach Slowenien gefahren zum Mangart. Die freundliche Dame, die die Maut dafür kassiert hat, hielt es natürlich nicht für notwendig uns darauf hinzuweisen, dass auf halber Strecke den Berg rauf eine Schranke den Weg blockiert wegen eines Felssturzes. Die war drei Wochen vorher noch nicht da, war dann eher ein Reinfall.
Am nächsten Tag ging es zurück nach Österreich. Die Nockalmstraße, die wir hier gefahren sind, war meine Lieblingsstrecke auf der Tour. Super Wetter, super Asphalt, super Kurven, ansprechende Landschaft, wenig los. 14 Euro kostet der Spaß pro Person. Übernachtet haben wir dann auf dem letzten Campingplatz südlich vor der Großglockner Hochalpenstraße. In der Nacht ist es bis auf 4°C abgekühlt, ich hab mir dermaßen den Arsch abgefroren. Mein Schlafsack ist nur bis 10°C ausgelegt.
Immerhin waren wir am Morgen dann früh dran um zum Großglockner zu fahren. Hier haben wir die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und die Edelweißspitze angesteuert. Danach dann nach Zell am See, lecker essen gehen. Anschließend wollten wir eigentlich nach Berchtesgaden und die Rossfeldstraße noch mitnehmen, diese war aber leider gesperrt, weshalb wir (auch im Hinblick auf den Heimweg) spontan zum Chiemsee statt nach Berchtesgaden gefahren sind. Hier haben wir auf einer Zeltwiese abseits vom Schuss genächtigt. Zuerst konnten wir den Sonnenuntergang mit Seeblick bestaunen und später dank fehlender Beleuchtung sehr gut Sterne gucken.
Die letzten beiden Tage waren im Grunde dann der Weg nach Hause. Wir sind vom Chiemsee aus erstmal über Land gefahren, aber die letzten 160 km dann auch noch Autobahn bis nach Würzburg. Die Jugendherberge da kann was, muss ich sagen. Nur die Verkehrsführung der Stadt ist echt scheiße.
Gestern haben wir dann noch den Spessart mitgenommen und sind ab Aschaffenburg über die Autobahn bis nach Köln gegurkt.
Fazit: 2600 km durch vier Länder (davon 800 Autobahn), zunächst durchwachsenes und später gutes Wetter, jede Menge Spaß. Jetzt bräuchte ich nur eigentlich Urlaub vom Urlaub statt morgen wieder ins Büro zu gehen
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